Noah Juraj Soticek

26.10.1997

This is my Story

Nichts stirbt, was in unserer Erinnerung ist

Glaubst du an Zufälle? Ich für meinen Teil nicht! Ich glaube an das Schicksal. Warum? Das erzähle ich dir jetzt.

Ein Vormittag im August brachte mich dazu, mein Leben aus einer anderen Perspektive zu sehen. Ich war, wie jeden Sommer, bei meinen Großeltern in Kroatien um mich von der Schule zu erholen und ein bisschen Meerluft zu schnuppern.

Zur Info - ich war kein besonderer Schüler oder so was. Rückblickend war ich ein fauler Sack. Ich hatte nie wirklich einen Plan, was ich aus meinem Leben machen möchte. Obwohl einen Traum hatte ich schon als kleines Kind. Ich wollte nämlich schon immer Pilot werden. Aber mal ehrlich – wie soll man Pilot werden, wenn man schon in der Volksschule einen Notendurchschnitt von 3,0 hat? Ich meine, meine Mutter wurde gebeten mich von dem Blockflötenunterricht zu nehmen, weil ich nach zwei Jahren keinen einzigen Ton spielen konnte.

Warum ich dir das hier erzähle? Ich will dir damit sagen, dass ich bis zu dem Tag im August nichts getan hatte, auf das ich stolz sein konnte. Keine guten Noten oder besondere Fähigkeiten. Das einzig besondere an mir war, dass ich als Kind an sehr starkem Neurodermitis und Asthma erkrankt war. Darüber will ich aber hier nicht schreiben.

Jetzt noch mal zurück zu dem Vormittag im August. Damals kam ich durch eine Reihe von „Zufällen“ zu dem Mann, der mein Leben veränderte. Ich kann dir nicht sagen wie ich dazu kam einen fremden Mann zu fragen, wie er sein Geld verdient, aber ich tat es. Ich habe einen Nachbarn meiner Großeltern, der den Großteil des Jahres in Kanada lebt, gefragt, wie er zu seinem Geld gekommen ist.

Zur Info – der Mann war schon in Pension. Er flüchtete, als er ca. dreißig war aus Kroatien nach Kanada, und baute sich dort von nichts alles auf. Ich will jetzt nicht wirklich sagen, dass er Reich oder so etwas dergleichen war, aber er lebte sicherlich besser als der Großteil der Bevölkerung.

Jedenfalls habe ich an seiner Tür geklopft und ihm eben die Frage über sein Geld gestellt. Er hat mich in seine Wohnung reingelassen und nahm einen Block zur Hand und begann mir zu erzählen und erklären. Er hat begonnen von Aktien, Fonds und anderen Finanzprodukten zu erzählen. Was aber noch viel wichtiger war, ist, dass er mir sein „warum“ und seine Sichtweise näher gebracht hat. Somit konnte ich mich ein wenig in seine Lage versetzen und verstand, warum er tat, was er tat.

Ich saß nach diesem Vormittag jeden Tag für zwei, drei Stunden bei ihm, auf der Terrasse und er erklärte mir nicht nur Sachen über Geld, sondern auch über das Leben. Ich verknüpfte zum ersten Mal in meinem Leben, diese zwei dinge, nämlich Leben und Geld. Jetzt werden wieder einige jammern und mich verurteilen, weil ich behaupte, dass Geld wichtiger als so manch anderes ist.

Was ich begriff war, dass die Leute die besten Jahre ihres Lebens opferten, um Geld zu verdienen. Ich habe noch nicht viele Menschen getroffen, die gerne arbeiten gehen. Jedoch habe ich Einzelne kennengelernt, die es gerne tun und diese sind sehr erfolgreich in dem, was sie tun. Aber ich sag jetzt mal ganz frech, dass neunzig Prozent der Bevölkerung nicht gerne arbeiten geht. Die meisten können es kaum erwarten, bis es Freitag ist und jammern, wenn es Montag ist. Wenn du ebenfalls das Gleiche fühlst, gehörst du zu den über neunzig Prozent, die noch nicht verstanden haben, worum es im Leben geht. Das sollte kein Vorwurf sein!

Nach diesem Sommer fing ich natürlich gleich an, mehr über die Börse zu lernen. Bücher wurden zum fixen Bestandteil meines Alltags. Ich sollte erwähnen, dass ich davor noch nie ein Buch fertig gelesen habe. Nun lass ich sie also und probierte das Ganze in die Realität umzusetzen. Die erste Aktie, die ich je gekauft habe, war Lufthansa für 200€ und ja, mit dieser Aktie verdiente ich zum ersten Mal an der Börse Geld. Ein sehr schönes Gefühl. Das „Investieren“ ging in den Folgemonaten relativ einfach, weil der DAX gerade eine Rallye hinlegte. Ebenfalls sollte ich erwähnen, dass es nicht wirklich schwer ist, in einer Rallye Geld zu verdienen, da die Kurse jeden Tag Höchststände erreichen.

Nun ja, so eine Rallye hat auch ein Ablaufdatum. Ich war natürlich nach diesen Gewinnen sehr selbstsicher und zockte mit gehebelten Zertifikaten. Mein Motto war, umso höher der Hebel umso besser. (Bei gehebelten Zertifikaten handelt man prinzipiell mit Geld, dass man nicht hat, also mit Geld, das einem die Bank leiht. Dadurch kann man mit einem Einsatz von 200€ bspw. 2000€ „investieren“) Ich denke, ich muss nicht schreiben, wie dumm diese Aktion war.

Als der Markt sich wieder beruhigte und die Gewinne wieder abbaute, verlor ich logischerweise ziemlich viel Geld. Zur Info – zu dem Zeitpunkt machte ich eine Lehre und verdiente mein eigenes Geld. Wie es das Schicksal so wollte, war ich dabei die Finger von der Börse zu lassen. Glücklicherweise traf ich den Mann in Kroatien wieder und erzählte ihm von dem Vorfall. Er verstand mich zwar, fand es trotzdem sehr unterhaltsam. Er zeigte mir seine Verluste, die er in der Vergangenheit gemacht hat und dagegen war die meine, kaum nennenswert.

Er motivierte mich weiterzumachen und erzählte mir ein paar seiner Geschichten. Die wohl wichtigste Regel, die ich aus diesem Sommer mitnehmen konnte, war „Gib niemals auf“! Wenn du einen Fehler machst, gestehe ihn dir ein und ziehe deine Schlüsse. Fehler sind nichts schlimmes! Die Schule und die Gesellschaft lehrt uns was anderes. Wir müssen stets perfekt sein und perfekte Arbeiten abgeben, ansonsten verdienen wir weder Respekt noch etwas anderes. Machst du einen Fehler bekommst du eine Note Abzug und bist automatisch dümmer als jemand der diesen Fehler nicht gemacht hat.

Menschen die von sich behaupten noch nie einen Fehler gemacht zu haben, haben keine Ahnung was es heißt erfolgreich zu sein und werden es auch nie sein. Erfolg ist der wohl schlechteste Lehrer! Durch Fehler wachsen Menschen, vorausgesetzt man gesteht sie sich ein.

Es ist nicht das Fachwissen das man benötigt, um erfolgreich zu sein. Es ist die Sichtweise und die Kenntnis über sich.

Im Sommer wollte ich meinen Freund und Mentor wieder besuchen, um ihm von meinen ersten Erfolgen zu berichten. Aus irgendeinem Grund wollte das Schicksal nicht, dass wir uns wiedersehen. Er verstarb im August 2016 im alter von 78 Jahren in Kanada. Ein Mann, den ich voller stolz meinen Freund nennen durfte, war von uns gegangen. Er trat plötzlich in mein Leben und verschwand ebenso plötzlich. Ich habe diesem Mann sehr viel zu verdanken. Ohne ihn hätte ich weder eine Eigentumswohnung noch ein eigenes Unternehmen. Ich hätte ebenso wenig, im alter von 16 Jahren, begonnen für mein Alter vorzusorgen. Diesen Blog würde es ebenfalls nicht geben.

Ich dank dir für alles, mein Freund – wir sehen uns wieder!

Rest in peace - My friend

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